BOTANISCHER ARBEITSKREIS BONN


Bemerkenswerte Funde von Höheren Pflanzen


Auf dieser Seite soll nach Art einer Informationsbörse auf interessante Vorkommen und Neufunde von Arten aufmerksam gemacht werden. Bei Arten, welche nicht direkt im Bestand gefährdet sind, sollen auch die Fundortdaten allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Jedermann kann sich damit Anregungen für Exkursionen holen. Damit das Ganze kein Informations-Service von einigen wenigen ist, sondern ein wechselseitiges Austauschen von Informationen, werden Beiträge (Text, Bilder, Kartenausschnitte) für diese Seite an sievers@uni-bonn.de erbeten.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Unmengen wertvoller Fundortdaten, die von Hobby-Botanikern erhoben wurden, letztlich ungenutzt in Notizbüchern oder Computer-Dateien verschwinden. Wünschenswert ist es, Naturschutzbehörden, Biologischen Stationen oder anderen interessierten Botanikern diese Daten zugänglich zu machen. Dies fördert zugleich den erwünschten Multiplikations-Effekt. 

Naturschutz ist nur möglich, wenn wir auch wissen, was wir schützen. Ziel ist es, eine Fundortdatenbank mit integrierter Kartendarstellung aufzubauen, in der alle Funde zusammenlaufen und über das Internet abrufbar sind.

Potentilla micrantha in Nordrhein-Westfalen?

Das Kleinblütige (= Rheinische) Fingerkraut kommt ziemlich selten in der mittleren Rheinebene (Rheinland-Pfalz, Südwest-Hessen) vor. Es blüht ab Ende März bis in den April hinein.
Gefunden wurde es u.A. bei Lorchhausen sowie auch in einem nach Süden führenden Seitental des Vinxt-Baches (MTB Burgbrohl 5509/2, GK-Koordinaten 2591,962/5594,516).

P. micrantha ist sehr leicht mit dem häufigen Erdbeer-Fingerkraut (P. sterilis) zu verwechseln und daher vermutlich unterkartiert. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist die Zahl der Zähne an den Blattfiedern: beiderseits 6-11 bei P. micrantha, 4-6 bei P. sterilis.
Es ist nicht einzusehen, warum P. micrantha nicht auch im Rheinländ an der Südgrenze von Nordrhein-Westfalen vorkommen sollte.
Wer kenn einen Fundort von Potentilla micrantha in NRW? (RS 2007)

Carlina acaulis in der Sötenicher Kalkmulde

Die Silberdistel ist in den Mittelgebirgen und den Alpen vielfach anzutreffen, nicht aber in Eifel und Hunsrück. Für die häufigere Unterart C. acaulis ssp. simplex (Krausblatt-Silberdistel) gibt es bisher keine Fundmeldungen in NRW und Rheinland-Pfalz (www.Floraweb.de).
Ein stattliches Exemplar dieses stachligen Korbblütlers fand sich im August 2007 auf einem Magerrasen südlich von Sötenich (MTB Mechernich, 5405/3). Man kann davon ausgehen, dass es vor längerer Zeit dort angesalbt wurde. (RS)

Spartium junceum am Bausenberg

Im Juni 2007 wurde am Bausenberg bei Niederzissen der Binsenginster (Spartium junceum) gefunden. Dieser mediterrane Ginster unterscheidet sich vom Besenginster Sarothamnus scoparius durch größeren Wuchs, keinerlei Blätter, größere Blüten und nicht gerieften Stängel. Die Herkunft dieser Pflanze ist unklar. Es kann sich um Ansalbung oder aber auch um eine spontane Ansiedlung aus Gärten handeln. Die Art wird in den gängigen Floren nicht geführt und ist hier zu Lande offenbar bislang noch nicht in der Natur beobachtet worden. (JPF)

Neufund von Moneses (Pyrola) uniflora in der Eifel

Das einblütige Wintergrün ist eine boreo-alpine Nadelwaldpflanze. In Deutschland ist sie im Alpen- und Voralpengebiet (bis Schwarzwald, Schwäbische und Fränkische Alb) heimisch. Ähnlich wie Goodyera repens (aber in weit aus geringerem Umfang) hat sie disjunkte, sekundäre Vorkommen in Nadelwaldforsten des Flachlandes und Mittelgebirges. Im NRW-Atlas (Haeupler et al. 2003) ist nur ein aktuelles Vorkommen im MTB 5606 an der Grenze zu Rheinland-Pfalz eingetragen (im Haeupler-Schönfelder als synanthrop gewertet), ferner 6 Vorkommen in Westfalen vor 1979.

Die Art wurde am 26.5.2007 im MTB 5405/4 festgestellt, wo sich eine kleine Population von 22 blühenden Exemplaren unter Kiefern etabliert hat. (JPF)

Spergula pentandra mit 10 Staubblättern

Der seltene Fünfmännige Spark blüht im April auf Xerotherm-Hängen der Nette zwischen Hausen und Trimbs (TK25 5609/41 Mayen,  2591,752/5577,468) sowie im Gebiet der Nahe südlich von Volxheim auf Trockenrasen (Haarberg an der B420; TK25 6113/43 Bad Kreuznach; 3422,577/5519,537).  

Anders als vom Namen her zu vermuten und im Gegensatz zur üblichen Bestimmungsliteratur weisen fast alle Exemplare mehr als fünf (häufig bis zu 10!) Staubblätter auf und sind deshalb leicht mit dem Frühlings-Spark (Spergula morisonii) zu verwechseln (RS 2006).

Spergula morisonii in der Wahner Heide

Mitte April blüht auf offenen Flächen der Wahner Heide südlich des Flughafens der Frühlings-Spark. Ein großer Bestand findet sich 700 m westlich des Sallbachhügels (Koordinaten 2581,015/5634,414; TK25 5108/42 Köln-Porz). 

S. morisonii ist an seinen breit ovalen Kronblättern zu erkennen, die ihn vom sehr ähnlichen Fünfmännigen Spark mit lanzettlichen Kronblättern unterscheiden (RS 2004).

Impatiens capensis in Ausbreitung

Dieser noch in den meisten Bestimmungsbüchern nicht vertretene Neophyt hat sich von Marburg kommend längs der Lahn ausgebreitet und vor einigen Jahren den Rhein erreicht. Funde sind von Boppard und der Untermosel bekannt (Korneck mdl.). Am Rhein gibt es ein Vorkommen im NSG Namedyer Altrhein (1 Pflanze, Frahm 2003, Sievers 2004) sowie am Rheinufer oberhalb Hammerstein (2 Pflanzen, Sievers 2004). Im NSG Urdenbacher Kämpe nördlich Monheim ist die Art im Bereich des Altrheinarms zahlreich vertreten und fest etabliert (Frahm 2004).

Cucubalus baccifer am Rhein

Der Taubenkropf ist eine seltene Auenwaldpflanze. Rolf Sievers fand sie im September 2004 mehrfach am Rheinufer bei Hammerstein.

 
Kornelkirsche nicht heimisch?
Die Kornelkirsche (Cornus mas) wird in dem „Atlas der Farn- und Blütenpflanzen des Rheinlandes“ (Schumacher et al. 1996) als im Rheinland nicht indigen verzeichnet. In der Tat wird der Baum zumeist an Straßenrändern angepflanzt gefunden. Nichtsdestotrotz gibt es jedoch aber auffällige Vorkommen an natürlichen Vorkommen:
5409A Felsklippen an der B9 zwischen Oberwinter und Remagen direkt unterhalb von Haus Ernich. Landskrone, Nordhang direkt unterhalb der Ruine, im Unterwuchs des Buchenwaldes, sowie am Südhang.
Beide Vorkommen machen einen absolut natürlichen Eindruck. Es ist eigentlich auch schwer verständlich, warum die Kornelkirsche – wie andere disjunkte wärmeliebende Elemente im Rhein-Moselgebiet wie z.B. Helleborus foetidus - bei uns nicht auch natürliche Vorkommen haben sollte.
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R Sievers & JP Frahm / BOTANISCHER ARBEITSKREIS BONN (2005/2006)