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Antimikrobielle
Der antimikrobielle Effekt von Moosen ist schon lange bei Naturvölkern bekannt gewesen. Die Indianer Nordamerikas (Flowers 1957) benutzen Moose u.a. zur Schmerzlinderung bei Verbrennungen und zur Wundversorgung. Die Verwendung zur Wundversorgung (z.B. mit Torfmoosen, Wundkompressen wurden noch im 1. Weltkrieg aus Torfmoosen hergestellt) bezieht sich nicht nur auf die Saugfähigkeit der verwendeten Moose sondern auch auf ihre antimikrobiellen Eigenschaften. In der chinesischen Volksmedizin werden 40 Moosarten als Heilpflanzen für Herz-Kreislauferkrankungen, Tonsilitis, Brochitis, Tympanitis, Cystitis angeführt (Ding 1982), u.a. auch gegen Ekzeme und Verbrennungen. Klinische Tests sind nur in einem Fall gemacht wurden (Wu 1982), wonach ein Extrakt von Rhodobryum giganteum im Tierversuch den Aorta-Durchfluß um 30% erhöhte. Trotz dieser interessanten Wirkungen von Moosen blieben die dafür verantwortlichen chemischen Verbindungen lange unbekannt, insbesondere weil man früher für die Analytik nicht die dafür erforderliche Menge reinen Pflanzenmaterials zur Verfügung hatte und weil Moose im Gegensatz zu Blütenpflanzen (auch wegen ihrer geringen Größe) allgemein wenig Beachtung fanden. Das gilt auch für die Volksmedizin. 90% der mehr als 1000 Arzneipflanzen im chinesischen Heilpflanzenbuch "Pen Tsao Kang Mu" aus der Ming Dynastie sind Höhere Pflanzen. Das heißt aber nicht, dass Niedere Pflanzen hinsichtlich ihrer biologisch aktiven Substanzen weniger interessant wären. Erst in den letzten 25 Jahren hat man einen Teil der Moosinhaltsstoffe aufgeklärt. Eine Übersicht geben Asakawa & Heidelberger (1982). Bei den biologisch aktiven Substanzen handelt es sich bei den (besser untersuchten) Lebermoosen hauptsächlich um Mono, Di- und Sequiterpenoide. |
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| Die antimikrobielle Aktivität richtet sich gegen zahlreiche gram positive Bakterien als auch Pilze und ist u.a. an
Escherichia coli, Staphylococcus aureus , Bacillus subtilis, Pseudomonas aeruginosa
sowie Penicillium crustosum, Aspergillus niger, Saccharomyces
cerevisiae, auch bei Nutzpflanzenschädlingen wie Uromyces fabae etc. erprobt. An Wirkstoffen
wurden Polygodial in der Lebermoosgattung Porella, Norpinguisone in
Conocephalum conicum und Lunularin aus Lunularia cruciata isoliert. Antibakterielle Wirkung wurde bei einem Wirkstoff aus Marchantia polymorpha festgestellt
(Kamory ert al. 1995). 4-hydro--3´-methoxybibenzyl und a und b -pinin-alloromadendrine aus dem neuseeländischen
Lebermoos Plagiochila stevesoniana hat biologische Wirkung gegen dermatophytische Organismen wie
Trichophyton mentagrophytes, Candida albicans und
Bacillus subtilis gezeigt (Lorimeres & Perry 1993). Bei anderen Arten ist die
Wirkung bekannt, die Wirkstoffe sind jedoch bislang nicht isoliert. Inhaltsstoffe aus
Plagiochila fasciculata, ebenfalls aus Neuseeland, zeigten positive Wirkung gegen P388 Zellen (Leukämie),
Herpes simplex Typ 1, Polio Typ 1, Bacillus subtilis, Escherichia
coli, Candida albicans, Trichophyton mentagrophytes und Cladosporium resinae
(Kamory et al. 1995). Es ist anzunehmen, daß diese oder ähnlche Wirkstoffe auch in anderen (z.B. heimischen)
Plagiochila-Arten und ähnlich effiziente Wirkstoffe auch in anderen Lebermoosen zu finden sind, weil sie ebenfalls einen Schutz gegen Pilz- oder
Bakterienbefall brauchen.
An Wirkstoffen kommen eine Vielzahl von Verbindungen in Frage, da es u.a. innerhalb von Lebermoosgattungen zu einer riesigen Vielfalt von unterschiedlichen Verbindungen einer Stoffgruppe gekommen ist. Daher sind viele biologisch aktive Substanzen artspezifisch und werden daher auch für die Chemotaxonomie benutzt. Man kann regelrecht von einer Evolution dieser chemischen Verbindungen ausgehen. Die antimikrobielle Wirkung ist (im Gegensatz zur Antitumorwirkung bei Moosen) nur ansatzweise untersucht worden. Man kann wohl davon ausgehen, dass alle Moose entsprechende Wirkstoffe enthalten, weiß jedoch nicht, ob sie unterschiedliche Wirkung (generell oder auf bestimmte Organismen) haben. Die wenigen Tests sind bisher nur an Platten-Kulturen gemacht worden. Solche Untersuchungen wurden am Institut für Pflanzenkrankheiten der Universität Bonn (Prof. H. W. Dehne) wiederholt, bei denen Extrakte von 18 Moosarten aus verschiedenen systematischen Gruppen getestet werden. Im Plattentest haben bereits 0,05% alkoholische Extrakte Hemmwirkungen auf Kulturen von Alternaria. Praktische Anwendungen im Nutzpflanzenbereich sind bisher nicht durchgeführt worden. |
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| Weltweit erstmalig wurden am Institut für Pflanzenkrankheiten in vivo Versuche durchgeführt. Im Gewächshaustest zeigten
mit Moosextrakten behandelte Pflanzen von Tomaten, Paprika, Gurken, Weizen u.a. je nach Konzentration deutlich geringere bzw. gar keine Schadwirkung nach Infektionen mit Schadpilzen aus verschiedensten Verwandtschaftsgruppen z-B. Phytophtora infestans (Kartoffelfäule) oder Mehltau.
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| Zum Austesten der bakteriziden Wirkung wurden Agarplattentest an Kulturen von
Escherichia coli am Institut für Mikrobiologie der Universität Bonn (Prof. Dr. Klemme) durchgeführt. Sie zeigten erste Hemmwirkungen bei 2% Extrakten
verschiedener Moosarten, allerdings in wässrigen Lösungen.
Biologische Aktivität ergab sich auch bei der Behandlung humanpathogener Pilze. Das betrifft Selbstmedikation bzw. Anwendungen bei Mitarbeitern sowie von Personen, die sich nach einer Fernsehsendung zum Thema "Moose als Pflanzenschutzmittel" bzw. Presseberichten zu dem Thema gemeldet hatten. Dabei zeigten alkoholische Extrakte von verschiedenen Moosarten überraschend schnelle Wirkungen an Hautflechten, an durch Cortisonbehandlung hervorgerufene Pilzbefall großer Hautpartien und Fußpilz. Klinische Tests sind jedoch noch nicht durchgeführt worden. „Ich habe im Sommer 99 Fuß- bzw. Nagelpilz medikamentös behandelt, der aber nachzuwachsen begonnen hatte.. Nach
dreimaligem Betupfen der Nägel mit der Moostinktur ist der Pilz dann abrupt verschwunden und etwa 4 Monate danach lässt
er keine Anzeichen für ein neuerliches Nachwachsen erkennen." Dieselben Moosextrakte weisen zudem eine fraßhemmende Wirkung bei tierischen Schädlingen auf. Entsprechende Testversuche wurden an der Universität Bonn mit der Nacktschnecke Arion lusitanicus gemacht. Im Präferenztest bekamen die Nacktschnecken 2 Salatblätter zum Fraß: eines davon war mit Moosextrakt gespritzt, das andere als Kontrolle nur mit dem Lösungsmittel. Während die Kontrolle über Nacht bis auf die Blattrippen aufgefressen wurde (Bild rechts), blieb das mit Mooextrakt gespritzte Blatt unangetastet (Bild links). Moosextrakt wirkt also als Kombipräparat sowohl antimkrobiell als auch gegen tierische Schädlinge, und zwar nicht biozid (die Tiere werden dadurch nicht getötet) sondern nur fraßhemmend.
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| Weitere
Literatur zu dem Thema sowie eine Datenbank der bisher getesteten Moose,
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf Pilze, Hefen, gram-positive und
gram-negative Bakterien ist auf Anfrage erhältlich
Ando,H., Matsuo, O. 1984. Applied Bryology. Pp. 133-224 in W. Schultze-Motel (ed.) Advances in Bryology vol. 2, Vaduz. Asakawa, Y., Heidelberger, M. 1982. Chemical Constituents of the Hepaticae. Progress in the Chemistry of Organic Natural Products Bd. 42., Wien - New York (Springer). Ding, H. 1982. Medical spore-bearing plants of China. 499 pp. Shanghai. Flowers, S. 1957. Ethnobryology of the Gosuite Indians of Utah. The Bryologist 60: 11-14. Kamory, E. et al. 1995. Isolation and antibacterial activity of Marchgantiin A, a cyclic bis (biphenyl) consituent of Hungarian Marchantia polymorpha. Planta Medica 61: 387-388. Lorimeres, S.D., Perry, N.B. 1993. An antifungal bibenzyl from the New Zealand liverwort Plagiochila stevensoniana. J. Natural Products 56: 1444-1450. Lorimeres , S.D. et al. 1994. Antifungal Hydroxy acetophenones from the New Zealand liverwort Plagiochila fasciculata. Planta Medica 60: 386-387. Wu, P.C. 1982. Some uses of mosses in China. Bryol.Times 13:5.
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